Dienstag, 17. Juni 2014

Der finanzielle Ritterschlag: Wie gestaltet sich das 60 Mio. € Investment von KKR bei Hertha BSC?

IMB Symposium mit Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller an der HWR Berlin

 

Geld schießt keine Tore

„…doch es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass welche geschossen werden“, erklärt Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller Mitte Juni 2014 an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin den Investitionsdeal zwischen dem Fußball-Erstligisten und dem internationalen Investors Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) aus New York. Hertha habe mit dieser Entscheidung statt auf neue Spieler auf einen Investor gesetzt, um so den sportlichen Erfolg von Blau-Weiß nachhaltig zu sichern. „Wir wollen oben angreifen“, fasst es der Finanzchef des größten Berliner Sportvereins zusammen.

„Der finanzielle Ritterschlag: Wie gestaltet sich das 60 Millionen Euro Investment von KKR bei Hertha BSC“, wollen Prof. Dr. Sven Ripsas, Akademischer Direktor des Berlin MBA in Entrepreneurship, und der Experte für Betriebliche Finanz- und Investitionspolitik, Prof. Dr. Rainer Stachuletz, der HWR Berlin vom Kaufmännischen Geschäftsführer der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA wissen. Der „Zaubermeister von Hertha“, wie Stachuletz ihn betitelte, hatte den Deal eingefädelt, der am 31. Januar 2014 besiegelt worden war und auf den Berliner Fußballverein einen Geldregen von 61,2 Millionen Euro niederprasseln ließ – ohne, dass der Hauptstadt-Club dafür seine Autonomie auf- und Entscheidungsbefugnisse abgeben müsse, versicherte Schiller wiederholt dem zum Teil kritisch nachfragenden Publikum aus MBA-Studierenden, Lehrenden und Hertha-Fans am IMB Institute of Management Berlin.

Der Verein „mit großer Tradition und Zukunft“, so Schiller, und die weltweit vernetzte und tätige Private-Equity-Firma KKR setzen auf Nachhaltigkeit. Mit den Millionen aus dem Deal wurden Schulden getilgt, Rechte für Vermarktung und Fernsehübertragungen zurückgekauft und auch das Stadion-Catering. Das spare erhebliche Kosten und verbessere die Ertragssituation für den Verein. Dies und das positive Eigenkapital gebe langfristige Planungssicherheit. Sieben Jahre gilt der Vertrag, egal, ob Hertha weiter in der ersten Liga mitspielt oder absteigt. Von „Financial Fairplay“ spricht Ingo Schiller, der im Aufsichtsrat der Deutschen Fußball Liga (DFL) sitzt und im Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Und was hat KKR davon? Der Investor hält 9,7 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH und Co. KGaA, mit der Option, seinen Anteil an der Fußball-GmbH auf bis zu 33,3 Prozent aufzustocken. Die rund 60 Millionen Euro seien gut angelegt in einer stress- und krisenfreien Brache wie dem Fußball und die Marktlage zudem „extrem positiv“, ist der Hertha-Geschäftsführer überzeugt. Und er wirft den Standort Berlin, die Platzierung in der 1. Bundesliga und das Potential des Clubs in die Wagschale. „Wir glauben an unseren Nachwuchs, bei uns trainieren derzeit 39 Jugendnationalspieler“, rechnet Schiller vor und setzt darauf, dass die Talente und das neue Finanzierungsmodell für sportliche Erfolge die Wachstumsspirale ankurbeln werden.

Und was passiert nach Ablauf der siebenjährigen Mindestlaufzeit des Vertrages? KKR werde wahrscheinlich versuchen, seine Anteile mit Gewinn weiterzuverkaufen, prognostiziert Ingo Schiller. Doch Hertha BSC habe sich für diesen Fall ein Vetorecht beim Weiterverkauf und ein Vorkaufsrecht gesichert und werde immer Mehrheitseigentümer bleiben. Das Geld bleibt im Unternehmen und damit dem Verein mit derzeit rund 32 000 Mitgliedern sicher.

„Entrepreneurship bedeute vor allem Innovation, und Hertha BSC geht als mittelständisches Unternehmen immer wieder neue Wege bei der Finanzierung“, zieht Dr. Sven Ripsas, Professor für Entrepreneurship an der HWR Berlin am Ende dieses IMB Symposiums Bilanz und stellt fest, dass Hertha BSC alles, was im Pathway Entrepreneurship des Berlin MBA abgebildet und gelehrt wird, live umsetzt. (Autorin: Sylke Schumann, Pressesprecherin der HWR Berlin)

Prof. Stachuletz / Ingo Schiller / Prof. Ripsas (Copyright: Sylke Schumann, HWR Berlin)
v.l.: Prof. Stachuletz/Ingo Schiller/Prof. Ripsas

Podcast der Veranstaltung

Die Veranstaltung wurde auch per Live-Stream ins Internet übertragen und steht jetzt als Podcast zur Verfügung: https://voicerepublic.com/talks/der-finanzielle-ritterschlag-wie-gestaltet-sich-das-60-mio-investment-von-kkr-bei-hertha-bsc

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